4. November 2020

Weiter mit der Müllvermeidung

Zur Kommunalwahl 2014 traten BÜNDIS 90/DIE GRÜNEN mit dem Anspruch an, künftig für mehr Müllvermeidung in Kall zu sorgen. Mit der neuen Müllgebührensatzung von 2015, die den Bürger*innen mehr eigene Kontrolle und Anreize zur Müllvermeidung gibt, ist das eindrucksvoll gelungen. War die Gemeinde Kall 2014 noch Spitzenreiter im Müllaufkommen je Person im Kreis Euskirchen, konnte schon im ersten Halbjahr 2015 die Restmüllmenge um 33% gesenkt werden. Die gleichzeitig gestiegene Nutzung der Gelben Tonne führt außerdem dazu, dass die verbleibende Abfallmenge besser sortiert wird als zuvor und somit die Recyclingrate steigt. Was viele Skeptiker befürchteten, ist nicht eingetreten: der Müll ist nicht in der Landschaft gelandet, sondern dort, wo er hingehört - in der gelben, braunen und grauen Tonne.

Eine weitere Änderung in dieser Satzung ist, dass neben der Entsorgung von Sperrmüll, Papier, Elektroschrott, des wilden Mülls und der Leerung von Straßenpapierkörben auch die Gebühren für eine Biotonne über die Grundgebühr abgedeckt ist. Vorher konnten sich Bürger*innen vom Zwang zur Biotonne befreien lassen, wenn sie erklärten, alle Bioabfälle selbst zu kompostieren. Bei dieser Selbsteinschätzung scheint sich der eine oder andere übernommen zu haben, wie die regelmäßige Entsorgung von Grünabfällen in der Natur zeigten. Doch: auch Rasen- und Heckenschnitt sind Abfälle, die in der Landschaft nichts zu suchen haben: sie verändern massiv die Nährstoffversorgung und führen dazu, dass stickstoffliebende Pflanzen besonders gut gedeihen und andere Arten verdrängen. Mancher große Brennesselbestand ist auf eine solche "Düngung" zurückzuführen. Nicht nur Autoreifen, auch illegal entsorgte Grünabfälle müssen deshalb auf Kosten aller Gebührenzahler als "Wilder Müll" entsorgt werden.

Die "Biotonne für alle" schlägt gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe: die Restmüllmenge sinkt, wertvoller Rohstoff zum Ersatz künstlicher Düngemittel wird erzeugt und die negativen Auswirkungen der "Entsorgung" in der Natur vermieden. Die kräftige Reduzierung der Müllmenge legt nahe, dass bis zur Bereitstellung der Biotonne auch mancher Bioabfall in der Restmülltonne verschwand.

Die Müllgebühren sind so zu berechnen, dass weder ein Minus entsteht noch zu große Überschüsse entstehen. Deshalb muss über die Gebührenhöhe in jedem Jahr im Gemeinderat neu beraten werden. In den letzten Jahren gab es immer wieder Versuche, die Biotonne aus den Grundleistungen der Müllentsorgung herauszunehmen. Die Begründung: die Biotonne würde über die Restmülltonne subventioniert. Ähnliche Anträge, auch die Sperrmüllabfuhr oder die Entsorgung von Altpapier einzeln abzurechnen, haben wir noch nicht gesehen. Fakt ist: die Bestimmungen der neuen Abfallsatzung sind eine Erfolgsgeschichte. Wir werden uns dafür einsetzen, dass diese Erfolge nicht durch eine angebliche Gerechtigkeitsdebatte aufs Spiel gesetzt werden - und die Biotonne weiterhin zum Grundangebot der Entsorgung gehört.


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