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GRÜNE Kall

Zukunft entscheidet sich hier.

  

  

17. September 2018

Die wahren Naturschützer?

"Wir lassen Talente aufblühen!" - unter diesem Slogan stand eine ganzseitige Anzeige des Landesjagdverbands Nordrhein-Westfalen im "Kölner Stadt-Anzeiger" vom 15. September 2018. Gesucht werden "engagierte, leidenschaftliche, verantwortungsvolle, wissbegierige, wetterfeste, ausgeschlafene, ehrenamtliche Naturschützer gleich welchen Geschlechts", mit "vertiefte(n) Kenntnisse(n) über die Pflanzenwelt und ihre Pflege", "anerkannte(r) Ausbildung im Artenschutz", "besonderes Talent zur Biotopgestaltung", "außerordentliche Einsatz-bereitschaft im Bereich einer international anerkannten Initiative der Natur- und Umweltpädagogik". Wer das noch nicht ist, kann es vielleicht werden - mit einer Ausbildung zum staatlich geprüften Jäger. Bei soviel Naturschutz-Kompetenz müssen die Mitglieder von Nabu, BUND und Greenpeace wohl passen.

Trophäenjagd statt Naturschutz

Doch in der gleichen Ausgabe der Zeitung findet sich ein Bericht über die Situation in den Jagdrevieren an der Oberahr. Die Rotwildpopulation dort liegt 500 Prozent über dem Wert, der noch naturverträglich ist, obwohl sich die Abschlusszahlen in den vergangenen vier Jahren verdoppelt haben. Das Dumme dabei: die Jäger erlegen überwiegend männliche Tiere. Als Grund dafür sieht Rolf Heller, Gemeindeförster in Blankenheim, die Trophäenjagd. Und mit dem Anstieg des weiblichen Wildvorkommens steigt auch die Zuwachsrate an Tieren. Sie gefährdet inzwischen den Fortbestand des Gemeindewalds. Die notwendige Anpassung an den Klimawandel kann nicht erfolgen, da Douglasien- und Weißtannensetzlinge für das Rotwild Leckerbissen sind.

Doch in Blankenheim weiß man Rat: die Abschusszahlen für das kommende Jahr werden noch einmal deutlich erhöht. Woher die Zuversicht stammt, dass die Jäger in Zukunft auf Trophäen verzichten und Hirschkühe statt -bullen erlegen, bleibt schleierhaft. So ist damit zu rechnen, dass nicht nur auf die Jäger, sondern in Folge auch auf die verbleibenden Hirschbullen viel Arbeit zukommt. Und im nächsten Jahr wird man sich wieder fragen, wie das denn sein kann...

Aber - vielleicht kommt alles ganz anders! Die Blankenheimer Jäger lesen die Anzeige ihres Landesverbands, erinnern sich daran, dass sie leidenschaftlich die Natur schützen, denken darüber nach, was für die Pflanzenwelt und ihre Pflege im Blankenheimer Wald das richtige ist - und zeigen außerordentliche Einsatzbereitschaft in der Reduzierung der Rotwildbeschände. Zu schön, um wahr zu sein?

 

 

28. Juni 2018

Kunstauktion für die Galerie Eifelkunst am 1. Juli in Gemünd

Seit über sechs Jkunstauktionahren gibt es in der Eifel die Galerie Eifel Kunst. Den Künstlerinnen und Künstlern, die bisher in der Galerie ausgestellt haben und ausstellen, liegt deren couragiertes Engagement zu Themen wie Rassismus, Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit und Gewalt sehr am Herzen. Sie möchten natürlich, dass es auch weiterhin diese tolle Möglichkeit geben wird, hier ihre Arbeit und die Arbeiten vieler anderer, weiterhin zu präsentieren. Arbeiten zu obengenannten Themen, aber auch Themen gegen den Krieg, für den Frieden, für Menschenrechte und zum interkulturellen Dialog.
Da die Galerie keine Verkaufsgalerie ist, ist sie auf Spenden angewiesen, damit die finanzielle Situation nicht auf wackeligem Boden steht. Da Miet- und Nebenkosten (Strom, Wasser, Heizung, Telefon, Reinigung und Versicherungen) nicht über herkömmliche Förderanträge abgedeckt werden können, haben die Künstlerinnen und Künstler der beiden letzten Gemeinschaftsausstellungen in der Galerie Eifel Kunst auf Initiative des Hennefer Künstlers Jörg Rasenberger für den 1. Juli auf dem traditionellen Gemünder Sommermarkt eine Kunstauktion ins Leben gerufen, um die Galerie zu unterstützen. Über 35 Exponate bekannter Künstlerinnen und Künstler aus dem In- und Ausland werden vom Entertainer und Musiker Jojo Joisten als Auktionator versteigert. Jörg Rasenberger hat auch die Durchführung federführend in die Hand genommen.
Los geht die Kunst-Auktion am 1. Juli 2018, ab 11 Uhr zugunsten der Galerie beim traditionellen Sommermarkt in Gemünd in der Fußgängerzone vor dem Haus Ose. Ein Termin, den sich alle Kunstinteressierte und Unterstützer*innen merken sollten.

Weitere Informationen zur Galerie und zu Unterstützungsmöglichkeiten finden Sie unter https://www.eifel-kunst.de.

6. Mai 2018

Freizeitbusverkehr im Kreis Euskirchen

nationalpark shuttleDer Nationalpark – ökologisches Vorzeigeprojekt in der Eifel. Rund 900.000 Besucher jährlich wollen die Schönheiten der Natur genießen. Wollen sie das aber ökologisch und mit möglichst wenig Umweltbelastung tun und den öffentlichen Nahverkehr benutzen, erreichen sie schnell die Grenzen des Möglichen.

Bis Kall ist noch alles prima. Aus den Ballungsgebieten an Rhein und Ruhr ist der Ort gut zu erreichen, für viele am Wochenende dank Jobticket sogar kostenlos. Auch Vogelsang ist gut erreichbar. Geht es um andere attraktive Ziele - so den Erlebnisraum "Wilder Kermeter" - ist festzustellen, dass die Busverbindungen in den letzten Jahren massiv gekürzt wurden und der Fahrplan selbst für versierte Nutzer des Öffentlichen Personennahverkehrs nur nach intensivem Studium zu verstehen ist.

Werner Ignatowitz, Vorsitzender des Vereins Pro Bahn, hat Landrat Rosenke in einem Schreiben aufgefordert, tätig zu werden und für eine Verbesserung der Situation zu sorgen. Wir können uns den Wünschen und Argumenten nur anschließen. Es reicht nicht, sich als Kreis mit dem Nationalpark zu schmücken, Taten müssen folgen. Hier das Schreiben von Werner im Wortlaut:

Sehr geehrter Herr Landrat,

mit großer Sorge nehmen wir die Entwicklungen beim Freizeitbusverkehr im Kreis Euskirchen zur Kenntnis.

Zum Fahrplanwechsel im Dezember 2017 wurde das Fahrtenangebot auf der Linie 231 zwischen Gemünd und Heimbach abermals gekürzt. Inzwischen hat sich aber im Nationalpark Eifel der Erlebnisraum „Wilder Kermeter“ mit dem Bereich Urfttalsperre zum Besuchermagneten entwickelt. Den immer weiter zunehmenden Verkehrsmengen durch an- und abreisende PKW wurde leider bisher nur ein stetig schrumpfender, unterentwickelter und mit unübersichtlichen Linienwegen ausgestatteter Busverkehr entgegensetzt. Dazu kommen nur wenige Fahrmöglichkeiten, kein Taktverkehr und fehlende Busanschlüsse in Gemünd, um weiter in Richtung Vogelsang und Kall/Euskirchen/Köln fahren zu können. Für den durchschnittlichen Fahrgast sind die sechs (!) unterschiedlichen Linienwege zwischen Gemünd und Heimbach unter gleicher Liniennummer nicht durchschaubar. Im Winterhalbjahr, von Ende Oktober bis Karfreitag, bestehen am Wochenende gar keine Fahrmöglichkeiten im Bereich Wilder Kermeter, obwohl auch zu diesen Zeiten dort ein reger Besucherandrang besteht.

Die Auswirkungen durch den dort immer weiter ausufernden PKW-Verkehr sind mittlerweile deutlich sichtbar und gravierend: Zugeparkte Straßen und Wanderwege, völlig überfüllte Parkplätze und die nahezu jedes Wochenende zugeparkte Haltestelle Wilder Kermeter, die dann von den Bussen nicht mehr angefahren werden kann, zeugen davon, dass dringend ein integriertes Verkehrskonzept unter Einbeziehung eines attraktiven ÖPNV zur Verringerung des PKW-Verkehrs geboten ist. Noch schwerwiegender sind die Probleme im Bereich der Haltestelle „Urfttalsperrre/Haftenbach“: Diese einsam liegende Haltestelle kann ebenfalls regelmäßig nicht angefahren werden, da illegal auf der K 7 parkende PKW die Durchfahrt blockieren und dann potentielle Fahrgäste über 3 Kilometer (!) zur Kermeter-Höhenstrasse laufen müssen.

Wir können nicht nachvollziehen, warum der Kreis Euskirchen seine Aufgabenträgerschaft auf der Linie 231 abgegeben hat, obwohl zwischen Gemünd und Heimbach der größte Teil des Linienweges und die wichtigen Haltestellen „Wilder Kermeter“ sowie „Urfttalsperre/Haftenbach“ Im Kreis Euskirchen sind.

Der Parkplatz und der Haltestellenbereich Wilder Kermeter wurden unlängst mit einigen „neuen“ Verkehrs­schildern zum dortigen Parkverbot ausgestattet; gleichwohl ist damit das Problem der viel zu hohen Fahr­zeugbelastung durch parkende PKW in diesem Bereich nicht gelöst. Darüber hinaus werden die neuen Verkehrsschilder wegen des hohen Parkdrucks überhaupt nur dann eine Wirkung entfalten können, wenn der ruhende Verkehr durch die Stadt Schleiden regelmäßig, insbesondere an Sonn- und Feiertagen mehrmals am Tag, kontrolliert und sanktioniert wird, was allerdings von Vertretern der Stadt Schleiden kategorisch abgelehnt wird. Für das noch größere Problem, die fehlende Anfahrmöglichkeit der Haltestelle Urfttalsperre/Haftenbach wegen parkender PKW auf der K 7, wurden bisher überhaupt noch keine Abhilfemaßnahmen eingeleitet bzw. angekündigt.

Wir stellen die Frage, wie der Busverkehr mit der einsetzenden Sommersaison in diesen Bereichen zuverlässig abgewickelt werden soll?

Auch im Bereich Vogelsang/Einruhr hat es durch die Fahrplanänderungen auf der Linie 63 gravierende Veränderungen und Verschlechterungen im dortigen Busangebot gegeben. Das Angebot wurde so umgestaltet und verringert, dass Fahrten auf der für den Tourismus wichtigen und nachfragestarken Relation Gemünd - Einruhr durch lange Wartezeiten beim Umstieg in Vogelsang von bis zu 40 Minuten und den viel zu kurzen Betriebszeiten nahezu unmöglich geworden sind. Darüber hinaus besteht jetzt am Wochenende eine fünfstündige Bedienungslücke (!) zwischen 11 und 16 Uhr, die auch die letzten Fahrgäste vergrault haben dürfte. Da die Grenze zwischen dem Kreis Euskirchen und der StädteReglon Aachen aus Richtung Walberhof kommend rund 300 Meter vor dem Ortseingang Einruhr verläuft, sehen wir den Kreis Euskirchen durchaus in der Pflicht, zumindest auf seinem Gebiet aus Richtung Kall und dann bis Einruhr einen sinnvollen Busverkehr zu organisieren, um auch dem wichtigen Tourismusgeschäft nicht weiteren Schaden zuzufügen.

Wir raten wegen des völlig unzureichenden ÖPNV-Angebotes im gesamten Nationalpark dringend zu einer Neuplanung des gesamten Busverkehrs, der aber auch durch einen verstärkten finanziellen Mitteleinsatz abgesichert sein muss.

Wir möchten auch darauf hinweisen, dass im Bereich des Nationalpark Eifel fehlende VRS- und AW- Tarifkragen in den jeweiligen Nachbarverbund erhebliche Zugangsbarrieren darstellen und zu einem eingeschränkten Nutzerverhalten bei den vorhandenen Zeit-Tickets führen. Die heute bestehenden und sehr komplizierten Übergangsregelungen stehen einer einfachen und vermehrten Nutzung von Zeit-Tickets in diesem Bereich kontraproduktiv gegenüber. Auch der Sinn der Eifeler Gäste-Card muss hinterfragt werden, wenn man diese im Nationalpark wegen fehlender Verkehrsangebote gar nicht mehr nutzen kann.

Für Rückfragen und weitere Hilfestellungen für eine sinnvolle Verkehrsplanung im Nationalpark stehen wir gerne zur Verfügung.

Weitere erhebliche Mängel beim Freizeitbusverkehr bestehen im Bereich des Freilichtmuseums Kommern, welches ebenfalls über eine sehr hohe Besuchernachfrage verfügt. Auch hier ist uns nicht verständlich, warum das bislang unzulängliche Verkehrsangebot im Dezember 2017 ersatzlos gestrichen und nicht die Möglichkeiten für eine Verbesserung genutzt wurden. Das Freilichtmuseum und der Kreis Euskirchen als Aufgabenträger für den örtlichen Busverkehr dürften bereits einen Imageschaden erlitten haben, da der fehlende ÖPNV-Anschluss für ein Museum dieser Größenordnung einmalig in NRW und fast einmalig in Deutschland ist. Als kurzfristige Verbesserung könnte, entsprechender Wille vorausgesetzt, der TaxiBus 888 zwischen den Haltestellen in Eicks und Kommern auch die Haltestelle am Freilichtmuseum ohne großen Umweg anfahren, womit zumindest montags bis samstags ein Grundangebot zum Bahnhof Mechernich bestehen würde. Wir gehen aber davon aus, dass ab dem nächsten Fahrplanwechsel dann täglich zu den Öffnungszeiten des Museums ein eigener TaxiBus die Verbindung vom Mechemicher Bahnhof über den Stadtteil Kommern zum Freilichtmuseum übernehmen wird. Dabei sollte auch überlegt werden, ob man nicht die bisherige Haltestelle vom Museumsparkplatz direkt vor den Eingangsbereich des Museums verlegen will.

Wir hoffen, dass der Freizeitverkehr im Kreis Euskirchen zukünftig wieder etwas mehr die notwendige Beachtung findet, und dass unsere Hinweise ernst genommen werden.

Mit freundlichen Grüßen

Hans-Werner Ignatowitz (Vorsitzender PRO BAHN Rheinland)

4. Juli 2015

Offene Gartenpforte auch in unserer Gemeinde!

Immer mehr engagierte Gartenbesitzerinnen und Gartenbesitzer öffnen in diesem Jahr wieder an vier verschiedenen Wochenenden für Sie ihre kleinen Paradiese und freuen sich auf Ihren Besuch.

In unserer Gemeinde Kall ist das der 1000 m² Biogarten von Jennifer Thelen und Simone Wolf in Kall-Benenberg. Staudenbeete und Obstbäume, gemütliche Sitzecken, Gartenhaus und Kräuterbeet im Bauerngartenstil, einschließlich Nutzgarten, wo Biogemüse angebaut, eigener Kompost angesetzt und Obst geerntet wird. Ein Themenweg und die nahe gelegene Wildenburg laden zum Wandern ein.

Nächste Möglichkeit im Rahmen der offenen Gartenpforte ist Samstag, der 22.07.2017 von 12.00-18.00 Uhr und Sonntag, der 23.07.2017 ebenfalls von 12.00-18.00 Uhr, Wildenburger Straße 16 in 53925 Kall / Benenberg.

Weitere Infos unter- www.offene-gartenpforte-rheinland.de

23. November 2016

Biodiversität und Lebensqualität – Wie gestalten wir unsere Zukunft?

Mit dem integrierten Handlungskonzept zur Entwicklung des Kaller Ortskerns übernehmen wir in der Gemeinde Kall langfristige Verantwortung dafür, unseren zentralen Wohnort so zu gestalten, wie er unseren heutigen und den zukünftigen Bedürfnissen unserer Kinder gerecht werden soll. Dies ist ein wichtiger und richtiger Schritt: aber was geschieht außerhalb der Ortsgrenzen?

Für die überwältigende Mehrheit von uns ist der Aufenthalt in intakter Natur ein wichtiger Faktor für das persönliche Wohlbefinden und in Umfragen wird dem Erhalt von Natur ein hoher Stellenwert zugebilligt. Betrachtet man allerdings die Faktenlage ist die diesbezügliche Situation in Deutschland und spezifisch im Gemeindegebiet Kall ernüchternd: weltweit und auch in Deutschland ist ein besorgniserregender Rückgang der naturnahen Lebensräume und Verlust biologischer Artenvielfalt zu verzeichnen. Für Deutschland stellt der Artenschutz-Report 2015 des BfN – Bundesamt für Naturschutz – eindeutig fest: „Der Zustand der Artenvielfalt in Deutschland ist alarmierend. Ein Drittel der bei uns in Deutschland vorkommenden Arten steht auf der Roten Liste und hat damit in seinem Bestand als gefährdet zu gelten. Arten stehen dabei immer auch für Lebensräume, Ökosysteme und Beziehungsgefüge. Ihr Zustand spiegelt zugleich den Zustand unserer Landschaften wieder. … Es besteht daher dringender Handlungsbedarf“.

Das Bundesamt nennt als notwendige Maßnahmen u.a. ein Netz von Schutzgebieten „um in der intensiv genutzten Kulturlandschaft hinreichend Rückzugsmöglichkeiten für Arten mit besonders spezialisierten Lebensraumansprüchen zu bieten.“ Die Vernetzung solcher Habitate oder Rückzugsräume ist Voraussetzung, um unserer heimischen Tier- und Pflanzenwelt überhaupt den Fortbestand zu ermöglichen, insbesondere unter den erschwerten Bedingungen des weltweiten Klimawandels. Diese Vernetzung erfordert naturnahe Landschaftselemente in ausreichender Zahl und Dichte. Da in unserem Land mehr als die Hälfte der Fläche landwirtschaftlich genutzt wird, hängt die biologische Artenvielfalt oder Biodiversität an erster Stelle davon ab, wie wir Landwirtschaft betreiben. Und gerade im Bereich des Agrarlands ist trotz seit langem bekannten Missstand seit Jahrzehnten eine weitere stete Verschlechterung der Lebensbedingungen unserer wildlebenden Tier- und Pflanzenwelt zu verzeichnen. Bei der letzten Erhebung entsprechender Indikatoren im Jahr 2014 wurde hier der bisher schlechteste Zustand überhaupt attestiert, und es ist dringend an der Zeit, auf europäischer und nationaler Ebene eine Kurskorrektur bei Landwirtschaftspolitik und Agrarförderung durchzuführen.  

Was bedeutet das nun auf kommunaler Ebene, hier bei uns in der Gemeinde Kall?

Immer wieder gilt es auf kommunaler Ebene Entscheidungen zu fällen, die als einzelnes Datum vielleicht ohne Relevanz erscheinen, in Summe aber genau diese Tendenz der Verarmung unseres Naturraumes verstetigen. Die Beseitigung oder Einziehung von Wegen im Gemeindegebiet ist ein solcher Aspekt. Wege besitzen Grünränder und sind oftmals gesäumt von Sträuchern und Bäumen. Sie durchziehen die Landschaft netzartig und bieten damit den lebensnotwendigen Rückzugsraum, der ein Überleben wildlebender Tiere und Pflanzen ermöglicht. Wenn auch im Einzelfall die Einziehung eines Weges gerechtfertigt sein kann, so muss doch – im Gegensatz zur Auffassung mancher politischer Vertreter – der Regelfall gelten, dass Wege nicht nur zu erhalten sind, sondern ihre ökologisch wichtige Funktion sogar ausgeweitet wird.  Die Situation ist diesbezüglich nicht nur in Deutschland allgemein kritisch, sie steht auch bei uns vor Ort nicht zum Besten. In den Planungsunterlagen zum Gewerbegebiet Kall III wurde im September 2016 festgestellt, dass das Plangebiet im Wesentlichen durch intensiv genutzte Ackerflächen geprägt ist, die nur wenig landschaftsästhetische Reize bieten und auch aufgrund fehlender Parkmöglichkeiten und Wanderwege nur marginale Bedeutung für die Erholungsnutzung besitzen, weshalb die Umwandlung zu Gewerbeflächen bezüglich diesen Aspekts als potenziell unbedenklich eingestuft wird. Bezüglich der von der Maßnahme betroffenen Vogelarten werden zwar gemäß der Artenschutzprüfung notwendige Schutz- bzw. Kompensationsmaßnahmen zur Erhaltung von Brutplätzen vorgesehen, diese sind aber bestenfalls dazu geeignet, die vorhandenen Arten in ihrem jetzigen Bestand zu erhalten, sofern diese sich denn mit ihren geänderten Lebensräumen arrangieren können. Ob dies eintritt, wird sich in Zukunft erst noch zeigen.

Natürlich mag es im Einzelfall immer Argumente geben, eine Maßnahme durchzuführen, die einen Eingriff in die Landschaft bedeuten. Aber es ist unabweisbar, dass wir in Summe unserer Naturlandschaft zu viel zumuten. Darüber hinaus gilt es auch weitere Aspekte des Gemeinwohls bei Eingriffen wie der Einziehung von Wegen zu berücksichtigen. So befasste sich Ende Oktober der sogenannte Bau-Ausschuss mit einem Antrag auf Einziehung eines Weges in der Hanglage zwischen Scheven und Dottel. Da ein Weg in einem Hang potenziell auch eine wichtige Rolle für die Ableitung von Niederschlagswässern besitzt, ist bei der bekannten Hochwassergefährdung der Ortslage Scheven diese Maßnahme derzeit kaum vorstellbar. Aber auch hier gilt wie bezüglich der Artenvielfalt, dass wir in der Vergangenheit bei Eingriffen in die Landschaft tendenziell das allgemeine Ziel der Reduktion der Hochwassergefährdung der Allgemeinheit im konkreten Fall zur Erzielung eines konkreten Nutzens zu gering gewertet haben.

Was ist zu tun?

Auch wenn vor dem Hintergrund des anhaltenden Flächenverbrauchs, abnehmender Biodiversität und der im Zeichen des Klimawandels steigenden Hochwasserproblematik ein vollständiger Stopp jeglichen weiteren Verbrauchs naturnaher Flächen ratsam scheint, wird man diesen radikalen Weg in der Realität nicht verantworten können. Wir sollten daher nicht immer nur erst im Zusammenhang mit geplanten Eingriffen in die Natur über eine Kompensation einer konkreten Maßnahme nachdenken, sondern als Maßnahme gegen die stetig abnehmende Lebensqualität unserer Umwelt für die wildlebende Tier- und Pflanzenwelt und als Investition in die Zukunftssicherheit unserer Gemeinde in eine aktive Politik zur Gestaltung unserer Landschaft einsteigen. Eine solche vorausschauende aktive Politik wäre dabei kein Sonderweg der Gemeinde Kall, sondern im Gegenteil in Übereinstimmung mit den erklärten Zielen der Landesregierung NRW und unserer Bundesregierung. Auf Bundesebene ist das alarmierende Problem der Degradation unserer natürlichen Lebensräume erkannt worden – und wird mit der „Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt“ und der „Naturschutz Offensive 2020“ angegangen. An oberster Stelle steht hierbei das Problemfeld „Äcker und Wiesen – Kulturlandschaft für Mensch und Natur“. Unser Bundesland NRW hat eine entsprechende Rahmenvereinbarung mit den NRW-Landwirtschaftsverbänden und der Landwirtschaftskammer NRW zur Förderung der Biodiversität unterzeichnet. Es führt kein Weg an einer aktiven Gestaltung unseres Lebensraums auch außerhalb unserer Ortsgrenzen vorbei: das, was wir richtiger Weise mit der zukunftsweisenden Entwicklung des Kaller Ortskernes begonnen haben, müssen wir auch für unseren natürlichen Lebensraum angehen. Wir müssen in den Dialog mit Fachleuten auf diesem Gebiet treten, mit deren Unterstützung wir eine langfristige Perspektive für die Verbesserung der landschaftlichen Lebensbedingungen von Tieren, Pflanzen und Menschen in unserer Gemeinde erarbeiten.

Einige Links:

http://www.bmub.bund.de/themen/natur-biologische-vielfalt-arten/naturschutz-biologische-vielfalt/allgemeines-strategien/nationale-strategie/

http://biologischevielfalt.bfn.de/

https://www.land.nrw/de/pressemitteilung/neue-vorschriften-fuer-habitat-und-artenschutz-helfen-biologische-vielfalt-zu

http://biologischevielfalt.bfn.de/fileadmin/BfN/service/Dokumente/skripten/Skript418.pdf

https://www.umwelt.nrw.de/presse/pressemitteilung/news/2014-12-08-gemeinsames-signal-fuer-mehr-arten-und-lebensraumvielfalt-in-den-agrarlandschaften/

https://www.bfn.de/fileadmin/BfN/presse/2015/Dokumente/Artenschutzreport_Download.pdf